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Personalauswahl für Anfänger
Ein Leser wünscht sich was. Nämlich eine Checkliste,
um Bewerber zu prüfen:
"Die Stelle im Verwaltungsapparat wird von der Gemeindeführung
ausgeschrieben. Ich habe die Möglichkeit, bei der Auswahl
dabeizusein und möchte natürlich eine faire Vergabe,
die mittels einer Checkliste, die für alle Bewerber
gleich ist, am besten gewährleistet wäre.
Voraussetzungen: EDV-Kenntnis, Umgang mit Menschen d.h.
Hilfestellung in allen Fragen wie Behördeneinreichungen,
für Unterstützungen, Kindergeld, Sozialhilfe etc.
Gute Allgemeinbildung, damit den Bürgern jemand zur
Verfügung steht, der sich der Sachen annimmt, und damit
gleichzeitig eine Kraft eingestellt wird, die nicht nur
den "sicheren Beamtenjob" sucht, sondern mit Begeisterung
auch in die Gemeindestube Schwung bringt."
Checklisten, das sind nicht nur Werkzeuge der Prüfer,
sondern auch Rettungsanker für Frühalzheimer wie
mich. Vorausgesetzt, diese Aufschriebe sind schnell zur
Hand, wenn man sie braucht. Ich selbst sollte zu jeder Checkliste
gleich die Verlustmeldung schreiben. Denn ich erinnere mich
zwar meist, dass ich ein Blatt angelegt habe. Aber auftauchen
tut es erst nach dem Ereignis, für das ich es einmal
verfasst hatte.
Ganz verschwunden, wohl beim Übergang von einem Apple
Mac zum nächsten, ist meine Handreichung für eine
Non-Profit-Organisation, die ihren Verwaltungsapparat vergrößern
wollte. Doch an meine guten alten Ratschläge erinnere
ich mich noch:
Du sollst nicht den Bewerberkopf vollquasseln.
Manche Leute tun‘s, weil ihnen ihre Firma/Organisation
eine echte Herzenssache ist. Und weil mit dem Bewerber endlich
einer gegenüber sitzt, der wohlwollend zuhört.
Andere werben mit Worten und fluten das Herz des Bewerbers.
Wieder andere geben sich als Anhänger der neuen Aufrichtigkeit
und möchten, dass der Kandidat alles erfährt.
Hab ich eine Kategorie vergessen? Die Stuhlrutscher. Denen
ist die unsymmetrische Gesprächskonstellation insgesamt
peinlich. Da berichten sie eher ungefragt selbst, als andere
auszufragen.
Der Bewerber kann ein Kunde werden. Ein Konkurrent. Ein
Feind. Ein Multiplikator von internen oder heiklen Informationen.
Deshalb nur so viel Information herausgeben wie notwendig.
Und die so nett verpacken, wie man es schafft.
Du sollst weder Deine Leute noch Dein Haus anschwärzen.
Unfassbar, was Bewerber alles hören, die Einzelgespräche
mit künftigen Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen
führen. Nicht der kommende Neue, nur ein möglicher
neuer Kollege stellt sich zum Interview. Man muss ihn nicht
schon in dieser Phase über Kriegsparteien und Grabenkämpfe
einweisen oder gleich für die eigene Fraktion anwerben
wollen.
Dickdarmtauchen in dieser Phase ist allemal vergebliche
Liebesmüh.
Du sollst den Kandidaten anrufen.
Ein gut geführtes Vorabgespräch und man kann
manchem Kandidaten die Anreise ersparen. Telefonische Sondierungen
sparen Zeit und Kosten.
Kleiner Reaktionstest: Zu einer Zeit anläuten, wenn
einer nicht zu Hause ist. Und eine Nachricht hinterlassen,
dass er zurückrufen möchte. Mal hören, ob
und wie prompt der Rückruf erfolgt.
Du sollst vorab eine kleine Aufgabe stellen.
Aussagefähiges Informationsmaterial zuschicken. Bitten,
dass man sich die Web Site genau anschaut. Sich über
die Produkte und Leistungen sachkundig macht.
Vorteil: Da kommen oft verwertbare Kommentare und Tipps.
Nachteil: Da kommt oft gar nichts. Das ist dann nicht so
gut. Für den Bewerber.
Du sollst nicht glauben, dass Du das Kandidatenfeld bereits
abgefischt hast.
Eine Vakanz nicht zu füllen, ist nicht gut. Eine Vakanz
mit dem Falschen zu füllen, das ist gar nicht gut.
Einige Tipps zu diesem Thema: 1. Je mehr Leute man kennt,
desto mehr können einem bei der Personalauswahl weiterhelfen.
- Kontakte nutzen! 2. Engagierte Mitarbeiter sind natürliche
Headhunter. - Anreize geben! 3. Angebote lassen sich immer
noch weiter streuen. - Größere Netze auswerfen!
4. Es gibt immer Orte (virtuelle wie reale), wo sich Kandidaten
tummeln wie Karpfen im Teich. - Gute Leute muss man abholen!.
Du sollst genau wissen, was Du brauchst.
Ich denke dabei ausdrücklich nicht an die Personaler,
die laut seufzten und matt bemerkten: „Herr Winkler,
was sollen wir nur mit Ihnen anfangen?"
Während der Verhandlungen passen zwar manchmal die
beteiligten Parteien eine Jobbeschreibung an die Skills
des Bewerbers neu an – meist, weil der mehr bringt,
als erwartet und deshalb einen Platz verdient, wo er sich
zum Nutzen der Organisation entfalten kann.
Wer Stellen ausschreibt und vergibt, ohne Personalexperten
in Anspruch zu nehmen, der benötigt aber einen vollständigen
Katalog der Anforderungen und Wünsche. Allein macht
schreibt man den nur, wenn man für sein Solo-Unternehmen
den allerersten Mitarbeiter heuern möchte. Ansonsten
holt man Rat ein bei allen, die mit der Stelle zu tun haben.
Checkliste Personalauswahl
Die folgende Checkliste ist eine Handreichung für
Personalamateure, die an Auswahlverfahren teilnehmen oder
sie leiten. Manche Punkte lassen sich als Fragen formulieren.
Für andere muss man genau hinschauen und hinhören.
Last Minute Regeln
Kehren Sie nicht den Boss raus
Halten Sie Blickkontakt
Seien Sie freundlich
Unterstreichen Sie 3. durch ein Lächeln
Jede Stellenausschreibung verlangt Ihre eigenen Anforderungskatalog.
Jeder Gesprächsfahrplan gehört auf die Besonderheiten
der Stelle angepasst.
Persönliche Verhältnisse, Ziele
Warum gerade für diese Stelle beworben?
Berufliche Ziele in den nächsten zwei Jahren
Private Ziele in naher Zukunft
Ganztätig verfügbar?
Kinder? Alter der Kinder?
Alleinerziehend? (Wie kann man das als Arbeitgeber erleichtern?)
Interesse an langfristiger, stabiler Tätigkeit?
Berufliche Laufbahn
Verwaltungserfahrung?
Entsprechende Ausbildung?
Ähnliche Tätigkeiten?
Lücken im Lebenslauf?
Welche? Wie erklärt?
Häufiger Stellenwechsel?
Fehlende Arbeitszeugnisse?
Letzter Job im Vergleich zum ausgeschriebenen:
- logischer Aufstieg?
- ebenbürtig?
- besser? Warum dann jetzt beworben?
Werden letzte Jobs, Mitarbeiter, Vorgesetzte negativ beschrieben?
Werden Anforderungen, Aufgaben des letzten Jobs einleuchtend
dargestellt?
Kenntnisse, Fertigkeiten
Maschinenschreiben?
Fremdsprachenkenntnisse
Officekommunikation
Betriebssysteme
MS Office/Word
Datenbanken (Dateneingabe/Datenpflege)
E-Mail
Office-Erfahrung
Posteingang/-ausgang
Terminkalender
Korrespondenz
Formulare, Listen, Auswertungsbögen
erstellen/einsetzen/auswerten
Ressourcenbeschaffung/-verwaltung
Ablage
Urlaubsplanung koordinieren
Abrechnungen
Besprechungen, Meetings, Konferenzen organisieren
Telefon
Telefonanlagen bedienen
gute Telefonstimme?
Besucherverkehr, Kontakt
angemessenes Sprachniveau?
Fähigkeit, zuzuhören?
Rasche Auffassungsgabe?
zuvorkommendes, liebenswürdiges Auftreten?
Problemlösepotential?
Persönlicher Eindruck
Kleidung, Frisur, Körperlichkeit
wäre das die adäquate Arbeitskleidung?
Haare, Finger gepflegt?
Schuhe sauber?
körperlich fit für Schreibtischjob?
Anzeichen für Beeinträchtigungen?
Anzeichen für Alkohol-, Drogenmißbrauch?
Persönliche Eigenschaften
Offenheit:
vertrauensselig/naiv/angemessen/ verschlossen
Auftreten:
anbiedernd/unangemessen selbstbewußt schüchtern/ängstlich
Auftreten gegenüber Klienten/Besuchern (s.o.)
Auftreten gegenüber Kollegen
Ehrlichkeit:
Was lässt darauf schließen?
Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit
Was lässt darauf schließen?
Berechnend? Auf Vorteil aus?
Kommunikative Fähigkeiten:
Quasselstrippe? Ich-bezogen? Eingeschüchtert?
Engagement, Leistungsbereitschaft:
Bereits bewiesen? Wo?
Stärken
Ehrenamtliches, soziales Engagement?
Mitgliedschaften?
Aktiv am Gemeindeleben beteiligt?
Was sind die größten Stärken? (Selbstaussage)
Was sind die größten Stärken? (aus Beobachtung
während des Interviews)
Was wird/könnte zu Problemen führen?
Sonstiges
Wer könnte weiter Auskunft geben?
Gehalt/Vergütung
Irgendwelche Sonderwünsche? Einschränkungen?
Was hat der Bewerber, was die anderen nicht haben?
Was fehlt?
Förderungswürdige Aspekte, sozialer Bonus?
Stellen Sie sich einen Arbeitstag in der neuen Umgebung
vor. Können Sie den Kandidaten sehen? In der Interaktion
mit Klienten, Kollegen, Vorgesetzten?
Stellen Sie sich vor, Sie unternehmen mit einem Team eine
lange und nicht ungefährliche Expedition. Würden
Sie den Kandidaten mitnehmen?
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